Finews.ch - Zürcher Fintech ist wieder auf Erfolgsspur und liebäugelt mit Expansion

14. Januar 2026

YAPEAL träumte von einer Zukunft als Neobank. Heute ist das Fintech im Bereich Embedded Finance erfolgreich. Doch die Schweiz alleine ist mittelfristig als Markt zu klein.

Das Schweizer Fintech Yapeal hat sich neu positioniert. Statt weiter auf das umkämpfte Privatkundengeschäft zu setzen, vollzog das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren den Wechsel und fokussierte sich seither konsequent auf B2B- und B2B2X-Modelle im Bereich Embedded Finance. Die strategische Neuausrichtung zahlt sich aus: Das Wachstum beschleunigt sich, die Investoren zeigen sich zuversichtlich, der Breakeven rückt näher.

Fintech-Lizenz Nummer 1

Yapeal gehört zu den wenigen Anbietern in der Schweiz, die noch über eine Fintech-Lizenz verfügen; finews berichtete darüber. Aktuell sind es vier – Yapeal war der erste Anbieter, der diese Bewilligung erhielt. Die Lizenz erlaubt es, Kundengelder entgegenzunehmen und Zahlungsverkehr abzuwickeln; Kreditvergabe ist ausgeschlossen. Kundengelder sind segregiert parkiert.

Vom B2C-Ansatz zur Plattformstrategie

Ursprünglich startete Yapeal als digitale Banking-App für Privatkunden. Das Modell gewann zwar Nutzer, stiess im Schweizer Markt aber rasch an Grenzen. Internationale Schwergewichte wie Revolut oder N26 sowie zahlreiche heimische Neobanken mit finanz- und vertriebsstarken Mutterhäusern machten Skaleneffekte für einen unabhängigen Anbieter schwierig.

Der Wendepunkt kam mit der Entscheidung, die eigene Technologie Drittanbietern zur Verfügung zu stellen. Ein frühes Referenzprojekt ist die Zusammenarbeit mit Vontobel: Der gesamte digitale Onboarding- und KYC-Prozess der Digitalbank Volt läuft über die Plattform von Yapeal. «Spätestens ab 2023 wurde klar, dass die Stärken des Unternehmens weniger im Endkundengeschäft als in der Rolle eines Infrastruktur- und Compliance-Partners liegen», sagt CEO Michael Eidel im Gespräch mit finews.  

Drei Cluster – plus ein viertes Standbein

Heute fokussiert sich Yapeal auf drei Kernbereiche:

  • Cards as a Service für Banken: Vor allem Privatbanken lagern ihr Kartengeschäft oft an grosse Anbieter aus. Yapeal ermöglicht es ihnen, über die eigene Lizenz und Technologie wieder massgeschneiderte Kartenlösungen für vermögende Kunden anzubieten – inklusive individueller Features und Benefits.

  • Embedded Finance für digitale Plattformen: Konten- und Kartenlösungen werden direkt in digitale Geschäftsmodelle integriert. Ein Beispiel ist Swibeco, das Mitarbeitende-Benefits grosser Schweizer Unternehmen verwaltet. Yapeal stellt die integrierte Karten- und Kontoinfrastruktur im Hintergrund.

  • Markteintritt für ausländische Fintechs: Immer mehr europäische Fintechs möchten in die Schweiz expandieren, scheitern jedoch an Regulierung, Zahlungsinfrastruktur oder lokaler Integration. Yapeal bietet hier «Compliance und Plattform as a Service» – inklusive Anbindung an Schweizer Systeme wie SIC oder lokale Zahlungsstandards wie eBill. 

Ergänzt wird dies durch ein viertes Standbein: digitale Geschäftskonten für Schweizer KMU. Monatlich kommen Dutzende neue Firmenkunden hinzu, die vollständig digital onboarded werden. Sie können Spesenkarten für ihre Mitarbeiter ausgeben und ihre Buchhaltung direkt mit Zahlungs- und Kartenprozessen verknüpfen.

Breakeven in spätestens drei Jahren angestrebt

Die Neuausrichtung zeigt Wirkung. Im Kerngeschäft wächst der Umsatz derzeit um 30 bis 40 Prozent pro Quartal. Die Investoren unterstützen den eingeschlagenen Kurs bis zum Erreichen des Breakeven, der in zwei bis drei Jahren erwartet wird.

Damit sind Yapeals Wachstumsambitionen aber noch nicht erschöpft. Eidel: «Langfristig reicht der Schweizer Markt allein nicht aus. So ein digitales Businessmodell wie unseres lebt davon, dass wir unsere Services skalieren.»

Yapeal bereitet deshalb eine Expansion nach Europa vor, voraussichtlich über eine E-Money-Institution-Lizenz, etwa in Liechtenstein. Ziel wäre es, mittelfristig das digitale Geschäftsmodell auch ausserhalb der Schweiz skalieren zu können.

Stablecoins als Option, nicht als Selbstzweck

Mit der laufenden Revision des Finanzinstitutsgesetzes beobachtet Yapealauch neue regulatorische Möglichkeiten, etwa im Bereich Stablecoins. Das Unternehmen ist bereits heute an der Schnittstelle zwischen Fiat-Zahlungsverkehr, digitalen Vermögenswerten und tokenisierten Lösungen aktiv. Ein eigener Stablecoin ist jedoch kein kurzfristiges Ziel, wie CEO Eidel betont. Entscheidend sei, ob sich damit reale Kundenprobleme lösen lassen. 

Kritik an der Regulierung 

So zufrieden Yapeal mit der eigenen Positionierung ist, so kritisch fällt der Blick auf den Schweizer Fintech-Standort aus. Die Zahl lizenzierter Anbieter ist gering, die Bewilligungsprozesse gelten als langwierig und wenig transparent. Im internationalen Vergleich sieht das Management Nachholbedarf – gerade für ein Land, das sich als Innovationsstandort versteht. 

Für Yapeal selbst gilt vorerst jedoch ein klares Credo: Fokus halten, liefern, Vertrauen aufbauen. Erst danach sollen neue Geschäftsfelder folgen.

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